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  • AutorenbildVerena Köfler

Mit Nüssen in eine bessere Zukunft

Aktualisiert: 24. Aug. 2023


WANU ist die Geschichte über Walnüsse und ein Dorf in Moldau. Über ein Superfood und entsetzliche Armut; über die Verbindung zwischen Natur, Gesundheit, Wirtschaft, Ökologie und Gemeinschaft. WANU ist eine Geschichte darüber, dass Veränderung möglich ist – auch da, wo es aussichtslos erscheint.

 

In meiner Serie „verÄNDERN“ werfe ich einen Blick auf Menschen, Unternehmen und Initiativen, die den Mut haben, neue Wege zu gehen. Ihre Entscheidungen verändern etwas – für sie selbst oder auch für andere. Allen gemeinsam jedoch ist, dass sie nach ihren eigenen Überzeugungen handeln.

 

Stell dir ein Dorf vor, in dem es keine Erwachsenen mehr gibt. Auf der Suche nach Arbeit haben sie ihr Dorf und ihr Land verlassen. Ihre Kinder bleiben zurück, gemeinsam mit den Alten und Kranken. Doch sie haben keine Wahl. Bleiben sie, haben sie keine Zukunft – weder sie noch ihre Kinder. Gehen sie, können sie finanziell für ihre Kinder sorgen. Aber diese leben als Waisen.


Dystopie?

Leider – nein.


Ungefähr 35.000 „Sozialwaisen“ leben in der Republik Moldau.


Diese Kinder wachsen ohne ihre Eltern auf, ohne Erwachsene, die sich um sie kümmern. Sie werden die „Allein zuhause-Kinder“ genannt. Allein im Haus der Eltern, die weggezogen sind, auf der verzweifelten Suche nach einer Lebensgrundlage. In keinem anderen Land Europas ist die Arbeitsmigration so hoch. Kein anderes Land Europas – neben dem Kosovo – kennt so viel Armut wie Moldau. Und kaum ein anderes Land ist bei uns so wenig präsent.


Wie kann man eine Lebensgrundlage für ein ganzes Dorf schaffen?


Doch es gibt Menschen, die hin- und nicht wegschauen. Menschen, die etwas verändern wollen. Und zwar nachhaltig. Keine Gutmenschen, keine Träumer. Sondern Realisten. Unternehmer. Menschen, die sich fragen: Wie kann man eine Lebensgrundlage für ein ganzes Dorf schaffen? Ein regelmäßiges Einkommen für die Familien? Damit die Eltern nicht wegziehen müssen. Damit die Kinder nicht allein bleiben. Damit das Dorf und seine Menschen eine Zukunft haben.


Indem man Nüsse isst, zum Beispiel. Jeder weiß: Walnüsse sind gesund. Omega 3-Fettsäuren, Kalium, Kalzium, Eiweiß, Vitamine A, B und C. Antioxidativ, Konzentrationsfördernd und vieles mehr. Was nicht viele wissen: Mit Nüssen kann man Familien in Moldau eine Lebensgrundlage verschaffen.


Ein Walnussgarten als Zukunftsperspektive

Vor 12 Jahren haben solche Menschen, die hin- und nicht wegschauen, beschlossen, etwas zu unternehmen. Markus und Figen Webhofer haben gemeinsam mit Freunden und unglaublich viel Engagement eine Walnussplantage in Ciuciulea ins Leben gerufen. Hier wachsen (übrigens köstliche) Walnüsse und mit ihnen die Zukunft von mehr als 100 Familien und die Lebensqualität in Ciuciulea. Denn die Walnussplantage sichert Arbeit und ein für Moldau gutes Einkommen. Sie verhindert, dass die Erwachsenen das Dorf und ihre Kinder verlassen müssen. Die Familien können zusammenbleiben. Eine Dorfgemeinschaft entsteht.


Der Walnussgarten in Moldau schenkt den Menschen Heimat, Hoffnung und Zukunft.

 

„Unsere Walnussplantage wollte dem entgegenwirken, dass Kinder alleine, in desolaten Zuständen, aufwachsen müssen. Eltern sollen bei ihren Kindern sein. Das geht aber nur, wenn sie monatlich ein Einkommen haben“ Figen Webhofer

 

Gut für die Gesundheit, die Natur und die Menschen.


WANU – die Walnüsse aus Ciuciuela, Rep. Moldau – sind nicht nur gut für die Haut und gegen Krebs. Sie sind ökologisch, nachhaltig und sozial. Dieser Anspruch hat das Projekt nicht einfacher gemacht. Aber das Ergebnis wertvoller und das Produkt besser. Der Verzicht auf Pestizide, künstliche Zusatzstoffe und chemische Düngemittel war von Anfang an gesetzt. Alles darf nur aus der Natur entstehen. Auch die ausschließlich händische Produktion – vom Anbau bis zum Schälen und Sortieren – war eine ganz bewusste Entscheidung, an der trotz Schwierigkeiten in all den Jahren festgehalten wurde. Denn es geht um Nachhaltigkeit, nicht um Gewinn.


Nur durch Handarbeit können möglichst viele Arbeitsplätze geschaffen werden. Nur im Einklang mit der Natur hat ein solches Vorhaben Zukunft. Und gerade deshalb ist es wichtig, die Wirtschaftlichkeit im Blick zu haben, betont Figen Webhofer. Denn nur ein gesundes Unternehmen kann Gutes bewirken.


 

Exkurs: Wenn ein Land seine Bevölkerung verliert. Die Einwohnerzahlen in der EU sinken und die Bevölkerung altert. Besonders drastisch ist die Situation in den Ländern der ehem. Sowjetunion. Seit der Wende verlassen unzählige Menschen ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit und Zukunft in Richtung Westeuropa. Kinder, Alte und Unterprivilegierte bleiben zurück. Es fehlen Arbeitskräfte und Steuerzahler – mit enormen Auswirkungen auf das gesamte Land, die Wirtschaft, die junge Generation. Moldau ist das Land mit der höchsten Arbeitsmigration. Seit 1990 hat das Land bereits über 1 Mio. Einwohner verloren (1990: 4,48 Mio. - 2022: 3,27; Statista). Die tatsächlichen Einwohnerzahlen sind schwierig zu erfassen und schwanken auch bei seriösen Quellen stark. Denn: Rund ein Drittel – manchen Quellen zufolge sogar die Hälfte - der Moldavier arbeitet im Ausland. Das macht eine Zählung nahezu unmöglich. Auch die Zahl der Kinder, die dadurch ohne Eltern aufwachsen, ist schwierig zu erfassen. Concordia geht von 35.000 „Sozialwaisen“ aus: Kinder, deren Eltern noch leben, aber nicht bei ihnen. Sie haben ein Dach über dem Kopf, aber sie sind viel auf sich allein gestellt. Ihre Eltern sehen sie rund zweimal pro Jahr. Armut, Kriminalität und Drogen sind Probleme, die daraus entstehen.

 

Die Qualität muss stimmen - und das Bio


Markus Webhofer ist Unternehmer, Innovator, Investor. Auch für ihn ist klar: Das Projekt muss langfristig auch wirtschaftlich tragfähig sein. Die beste Voraussetzung dafür ist die Produktqualität. Die muss stimmen - und das tut sie. "Die Walnuss ist ein enorm sensibles Produkt und benötigt ab dem Zeitpunkt der Ernte bis zum Konsum eine sehr aufmerksame Behandlung, damit die Qualität passt", betont Webhofer.


Gleichzeitig war immer der soziale und ökologische Gedanke ausschlaggebend: Der Verzicht auf Maschineneinsatz, der Fokus auf Handarbeit und auf eine natürliche Behandlung der Böden. Das ist durchaus bemerkenswert. Denn: "Konventionelle Hersteller setzen auf Chemie und Pestizide oder bleichen die Walnüsse mit Chlor oder sogar mit Schwefel, was zwar verboten, aber in vielen Exportländern noch gängige Praxis ist. Andere wiederum erhitzen die Walnüsse unter Vakuum und töten dabei das gesamte Nussleben. Die Nüsse sind so viel länger haltbar, verlieren dabei jedoch jeden Geschmack. Den Rest macht dann noch die schlechte, monatelange und ungekühlte Lagerung in europäischen Lagerstätten, bevor die Walnüsse für den Handel verpackt werden. Ganz abgesehen von den langen Transportwegen per Schiff aus Kalifornien oder Südamerika.", erklärte Webhofer. Zudem wird bei zahlreichen Nüssen im Handel immer wieder eine erhöhte Belastung mit Mineralöl aus den Sortieranlagen festgestellt. Auch Weichmacher – vermutlich aus der Verpackung – finden sich oftmals in handelsüblichen Nüssen.


Nicht bei WANU. Die Nüsse werden händisch geerntet, geschält, sortiert und in recycelbaren Kartonboxen verpackt. Sie werden weder gebleicht noch erhitzt oder mit Schwefel behandelt. Wer WANU-Nüsse kauft, bekommt die Bio-Ware frisch ausgeliefert in ausgesprochen hübschen Kartonboxen*. Besser geht’s nicht.



„Mitarbeiter-Snacking“: Unternehmen sind wichtige Abnehmer


WANU Walnüsse bedienen damit zwei aktuelle Megatrends: Gesundheit und Nachhaltigkeit. Ein perfekter Match auch für viele Unternehmen. Sie können ihren Mitarbeitern etwas Gutes tun und unterstützen ein soziales und ökologisch nachhaltiges Projekt. Nicht wenige Unternehmen setzen daher bereits auf die Bio-Walnusskerne aus Ciuciulea als „Mitarbeiter-Snacking“. Genau von solchen Unternehmen lebt dieses Projekt.


Für WANU sind Unternehmen, neben dem Direktverkauf an private Abnehmer, ein wichtiger Markt: Denn für den Vertrieb über den Lebensmitteleinzelhandel sind die Nüsse nur bedingt geeignet - ausgenommen für jene Händler, die auch eine ökologisch nachhaltige und soziale DNA haben. Für den Preiskampf taugen diese händisch geschälten Nüsse jedoch nicht. Durch den Preisdruck im Einkauf vieler Lebensmittelhändler müssten einige Prämissen über Bord geworfen werden: So ließe sich mit Pestiziden und Düngern der Output vergrößern – aber die Natur leidet. Mit mehr Automatisierung und Maschineneinsatz kann rascher und kostengünstiger geerntet und verarbeitet werden – aber die Menschen vor Ort haben nichts davon. Beides kommt für Markus und Figen Webhofer nicht infrage.


Ein schwieriger Weg. Ein lohnendes Ziel


Seit die ersten Walnussbäume 2011 gepflanzt wurden, ist viel passiert. Nicht alles lief rund. Viel Idealismus, Ideenreichtum und Durchhaltevermögen waren notwendig, um überhaupt die erste Ernte zu erleben. Misstrauen und Korruption begleiteten das Projekt viele Jahre und der Start war schwierig, erzählt Webhofer: "Um Arbeitsplätze von Anfang an zu schaffen, wurden für den französischen Großhandel in Lohnfertigung Nüsse geschält und wieder nach Frankreich geschickt. Das war eine lange Durststrecke, denn die Bäume benötigten bis zu den ersten Ernten ca. 10 Jahre. Diese Zeit mussten wir irgendwie überbrücken."


Doch die wichtigsten Meilensteine sind geschafft. Drei Jahresernten mit gesamt über 50 Tonnen Nüssen** wurden bisher auf den Markt gebracht. Über 100 Familien erhalten durch das Projekt eine Lebensgrundlage. Es gibt heute drei Dorfbrunnen, eine Musikschule und je einen Fußballclub für Frauen und Männer. Geht es nach Figen und Markus Webhofer, ist das erst der Anfang. Sie haben noch viele Ideen, um das Projekt noch nachhaltiger und noch innovativer zu machen. Sie haben genaue Vorstellungen, wie sie den Menschen vor Ort noch besser helfen können. Eines ist klar: Einfach wird auch der weitere Weg nicht. Aber Aufgeben ist keine Option. Denn die Zukunft ist manchmal eine richtig harte Nuss – die man mit viel Engagement und Einsatz knacken kann.



*Die Kartonboxen wie auch der Markenauftritt wurden von Eine Augenweide gestaltet. https://www.eine-augenweide.com/startseite/

**Die Ernte mit Schale entspricht etwa dem doppelten Gewicht der geschälten Nüsse.


FOTO Credits: WANU / Maximilien Sporschill

 

FACTS über WANU – Walnüsse

  • Bio-Walnusskerne frisch vom Baum, ohne Verunreinigungen oder Schadstoffen

  • Gesichertes Einkommen für über 100 Familien, damit die Eltern bei ihren Kindern bleiben können

  • Förderprogramme für Kinder und Jugendliche im Bereich Kunst und Literatur, Musikschule, Fußballclub

  • 26.000 Walnussbäume in den letzten 10 Jahren

  • Der Walnussgarten bindet ca. 13.000 Tonnen CO2

  • Keine Pestizide, keine künstlichen Dünger

  • Plastikfreie, recycelbare Verpackungen

 


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Über WANU:

Einwohner und Abwanderung:

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Walnüsse im Test


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